
Wer zum ersten Mal durch die Parzelle 903 geht, könnte enttäuscht sein. Kein sattes Grün, keine dichten Gräser. Stattdessen: niedrige Vegetation, offene Bodenstellen, eine unscheinbare Vielfalt, die sich erst beim zweiten Blick erschliesst.
Genau darin liegt der Wert. Magerwiesen gehören zu den artenreichsten Lebensräumen Mitteleuropas. Auf einem einzigen Quadratmeter können dreissig bis fünfzig Pflanzenarten vorkommen.
Die Bezeichnung «mager» bezieht sich auf den Nährstoffgehalt des Bodens. Je ärmer der Boden, desto grösser die Artenvielfalt. Auf nährstoffreichen Böden setzen sich wenige konkurrenzstarke Arten durch. Auf mageren Böden herrscht ein feineres Gleichgewicht, das vielen Spezialisten eine Nische bietet.
In der Schweiz sind seit 1900 rund 95 Prozent aller Magerwiesen verschwunden — durch Düngung, Überbauung oder Aufgabe der Bewirtschaftung. Die Magerwiese auf Parzelle 903 ist eines der verbliebenen Fragmente.