Vernetzung: Vom Brunnbächli zur Aare

Der Naturschutzkorridor Brunnbächli ist mehr als die Summe seiner Parzellen. Er ist ein Verbindungsstück: zwischen dem Naturschutzgebiet Birch-Brunnacker und der Aare.

Das Brunnbächli soll ans Licht

Unterhalb der Gösgerstrasse fliesst das Brunnbächli eingedolt in einer Rohrleitung — nach heutigem Kenntnisstand schon seit mindestens den 1950er-Jahren. Oberhalb der Strasse ist der Bach bereits offengelegt. Das Ziel ist, ihn auch auf dem unteren Abschnitt aus dem Rohr zu holen, hinunter bis zur Aare. Der VNSB ermöglicht und unterstützt dieses Projekt.

Eine Ausdolung ist keine bloss bauliche Massnahme. Ein offener Bach bringt Licht, wechselnde Wassertemperaturen, Kies und Ufervegetation zurück — und damit die Lebensräume, die einem Rohr fehlen.

Eine Auslegeordnung, die Pro Natura 2025 beim Büro Sieber & Liechti erstellen liess, kommt zum Schluss: Das Interesse an einer Offenlegung ist breit abgestützt, die betroffenen Grundeigentümer sind einverstanden, und eine Ausdolung würde von Bund und Kanton zu rund 90 Prozent finanziert. Anspruchsvoll bleiben das steile Längsgefälle, die Querung mehrerer Wege und ein belasteter Standort; der Zeitpunkt hängt zudem von der Endgestaltung der benachbarten Kiesgrube ab.

Inzwischen laufen erste Sondierbohrungen im Gelände.

Ein Bagger steht am Feldweg am Rand der Wiese
Sondierbohrungen für die Verlegung des Brunnbächli, Gebiet Schrannen Bünt.

Die Gelbbauchunke soll zurückkommen

Gelbbauchunke auf feuchtem Kies am Rand einer flachen Pfütze
Gelbbauchunke (Bombina variegata) in einem Pionierlebensraum aus Kies und flachen Pfützen. Foto: Rosenzweig, Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0

Im bereits offengelegten Abschnitt oberhalb der Gösgerstrasse sind acht Amphibienarten dokumentiert. Der Bach ist damit nicht nur ein Weg für Wasser, sondern eine Brücke für Arten, die heute nicht bis zur Aare gelangen.

Mit dem offenen Bach entstehen genau die Kleingewässer, auf die die Gelbbauchunke angewiesen ist: flache, besonnte Tümpel, Pfützen und Wagenspuren, die zeitweise austrocknen und darum frei von Fischen bleiben. Solche Pionierlebensräume sind im Mittelland weitgehend verschwunden — und mit ihnen die Art.

Der VNSB möchte die Gelbbauchunke im Schrannen Bünt wieder ansiedeln. Zuerst müssen die Gewässer da sein, dann die Tiere: Die Wiederansiedlung folgt der Ausdolung, nicht umgekehrt, und sie geschieht in Absprache mit der kantonalen Fachstelle für Natur- und Landschaftsschutz.

Der Korridor zwischen Birch-Brunnacker und der Aare

Der Naturschutzkorridor stellt die Verbindung her zwischen dem Naturschutzgebiet Birch-Brunnacker und der Aare. Durch den Korridor werden ökologische Räume miteinander vernetzt, die vorher nur wenig oder gar keinen Austausch miteinander hatten.

Das Gebiet Birch-Brunnacker wird vom Naturschutzverein Erlinsbach betreut; am 22. August 2026 fand dort ein Eröffnungsfest statt.

Frische Nagespuren eines Bibers am Stamm einer Weide am Flussufer
Biber-Nagespuren an einer Uferweide bei Rheinfelden. Foto: Latschari, Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0
Gemälde einer Flusslandschaft mit Ufergehölzen, Feldern und Hügeln im Hintergrund
«Vom Endhaus gegen Süden», Ostern 1955. Gemälde von Charlotte Schmid.

Was die Vernetzung bewirkt

Diese Verknüpfung erweitert den Lebensraum für Pflanzen und Tiere. Arten, die auf einer einzelnen, isolierten Fläche auf Dauer nicht bestehen, können wandern, sich ausbreiten und sich genetisch austauschen. Vielleicht findet künftig sogar der Biber den Weg von der Aare herauf ins Schrannen Bünt.

Wie sich der Korridor entwickelt, dokumentieren wir laufend unter «Aktuell».